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Der Wald und seine Plünderer

Helmut Veil
Der Wald und seine Plünderer
Forstwissenschaften und Klimaturbulenzen im 19. Jahrhundert

Broschur, 212 Seiten
ISBN 9783941743878
136 Abbildungen, davon 64 vierfarbig
Buch: 32,00 €
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Am 9. März 1848 zog ein Protestzug von 300 Eingeforsteten, den Berechtigten an den Produkten des Nürnberger Staatswaldes, zum Forstamt Sebaldi. Synchron mit den Märzereignissen in Deutschland wollten sie ihre bäuerlichen Rechte am Wald verteidigen und die grundherrlichen Lasten loswerden. Dieser Konflikt steht für viele in Deutschland, durch den die Symbiose zwischen Bauer und Wald beendet und eine Forstwirtschaft zugunsten von Industrie und Eisenbahnbau die Zukunft bestimmen wird. Seit Anfang des Jahrhunderts hatten europaweit die Klagen über Holznot und fortschreitende Entwaldung zugenommen. In Italien, Spanien, Griechenland und der Provence waren ganze Landstriche verödet, Überschwemmungen wechselten mit Wassermangel ab, die Bevölkerung wanderte aus. Durch solche Katastrophen war die Sensibilität für die klimatische Wirkung der Wälder gestiegen. Forstleute gingen mit den Auswüchsen liberaler Wirtschaftstheorien ins Gericht, mit der Lethargie aller Beteiligten und nahmen die Regierungen in die Pflicht, um zukünftige Generationen vor der Habgier der gegenwärtigen zu schützen. Eine reichhaltige Galerie mit Abbildungen von Wäldern und ihrer Umgebung seit dem Mittelalter, eine Nahaufnahme der Verhältnisse im besonders von Überschwemmungen betroffenen Emmental zeigen, wie sich der Wald den vielfältigen Ansprüchen des Menschen beugen oder ihm weichen musste.

In den Auseinandersetzungen des 19. Jahrhunderts um die »höhere Bedeutung der Wälder« tauchen Argumente auf, die wir auch aus der heutigen Debatte um die Klimaerwärmung kennen. Und ein Grundmuster menschlichen Verhaltens, das am gewohnten Leben festhält und eingefahrenes Wirtschaften fortsetzt, auch wenn schädliche und bedrohliche Auswirkungen längst erkannt sind.


Inhalt

Einleitung  7

Der Protestzug der Nürnberger Forstberechtigten vor das Forstamt Sebaldi 1848  13

Nürnberg, 9 März 1848  14
Eine kurze Vorgeschichte der Waldnebennutzungen im Sebalder und Laurenzer Wald  21
Die Reaktion der Regierung auf die Proteste  30
1848 war für die Forstleute ein Schock  36
Liebigs Chemie und der Wald  44

Bilder vom menschlichen Zugriff auf den Wald  50

Bauer und Wald  53
Jäger und Wald  75
Gerber und Lohe  83
Glashütten im Wald  86
Ziegelbrenner  89
Salinen 91
Flößerei und Rodungen  95
Schiffbau 100
Der Köhler im Wald  106
Holz für Bergbau und Schmelzhütten  110
Bauholz  120
Bleiche und Pottasche  123
Kalkbrenner  125
Der Saft des Baumes: Harz, Pech, Teer  126
Entwaldung, Kahlschlag, Rodung  128
Der Bergsturz von Goldau  137

Klima und Entwaldung – die Debatte des 19 Jahrhunderts  141

Die »höhere Bedeutung der Wälder«  141
Das Emmental und der Aufschrei eines Forstwirts  149
Nach Marchand: Was ist Klima?  164
Die 48er: Roßmäßler und der erste Aufruf zum internationalen Schutz des Waldes  169
Die Metamorphose des Waldes unter rauchenden Schloten  179
Eisenbahn  188

Rückblick auf heute  196

Anmerkungen  201

Der Autor

Helmut Veil, geb. 1943, war Allgemeinarzt in Frankfurt am Main und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte der Naturwissenschaften. Er untersucht die kulturellen und ideellen Voraussetzungen epochaler Gärungsprozesse der Naturerkenntnis, in denen sich festgefügte Erklärungsmuster zersetzen und neue noch nicht etabliert haben.