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Architektur als professionalisierte Praxis

Oliver Schmidtke
Architektur als professionalisierte Praxis
Soziologische Fallrekonstruktionen zur Professionalisierungsbedürftigkeit der Architektur

Forschungsbeiträge aus der Objektiven Hermeneutik
Band 8
Herausgegeben von Ulrich Oevermann, Roland Burkholz und Christel Gärtner

458 Seiten, 100 Abbildungen
ISBN 978-3-934157-45-3
Buchausgabe 36,00 Euro 
Digitale Ausgabe 24,80 Euro

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24,80 € inkl. MwSt.

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Bisherige soziologische Studien zur Profession der Architektur unterstellen wie selbstverständlich, daß es sich bei der Architektur um eine Profession handelt, beschäftigen sich aber kaum mit der Frage, wie sich soziologisch begründen läßt, warum Architektur professionalisiert sein muß. Mit der Oevermannschen Unterscheidung von Professionalisiertheit und Professionalisierungsbedürftigkeit läßt sich die soziologische Thematisierung der Architektenprofession auf eine neue Grundlage stellen.

Die Tätigkeit des Architekten wird in dieser Studie als die professionalisierte Bearbeitung eines Handlungsproblems begriffen: des Problems der Gestaltung von Innen-Außen-Abgrenzungen, die die Seßhaftigkeit von Lebenspraxis an einen Ort binden und ihre Privatheit in die Öffentlichkeit eines Siedlungsensembles einbetten. Der Architekt ist weit mehr als ein Experte für bestimmte Routinen. Er leistet eine stellvertretende Krisenbewältigung für seinen Klienten, indem er dessen Praxis interpretiert und diese Interpretation in die ästhetische Gestalt eines Bauwerks übersetzt. Diese Dienstleistung kann weder rein standardisiert erfolgen, noch erschöpft sie sich in einer Art künstlerischem Design. Sie ist vielmehr auf den Vollzug eines Arbeitsbündnisses zwischen Architekten und Klienten angewiesen.

Diese Studie liefert weder eine Zustandsbeschreibung der institutionellen Verfaßtheit der Profession der Architekten, noch werden statistische Daten erhoben und ausgewertet. Vielmehr kommen möglichst heterogene Protokolle architektonischer Praxis in den Blick. Im Zentrum stehen hierbei Gebäudeanalysen, die bislang in soziologischen Untersuchungen zur Profession der Architektur keine Rolle spielten. Darüber hinaus werden Briefe Frank Lloyd Wrights an Klienten, Interviewsequenzen, die publizierte Argumentation eines Architekten für die Profession sowie Dokumente aus einem Realisierungswettbewerb sequenzanalytisch nach den methodischen Prinzipien der objektiven Hermeneutik interpretiert.



Inhalt


Teil 1
Das Handlungsproblem der Architektur  11


1  Einleitung  11
2  Die Profession der Architektur in der Professionssoziologie  19
3  Theoretische Herleitung des zentralen Handlungsproblems der Architektur  33
3.1  Die Verfaßtheit sozialen Raumes als Grundlage der Professionalisierungsbedürftigkeit
der Architektur  33
3.1.1  Vorbemerkung  33
3.1.2  Zur konstitutionstheoretischen Bestimmung von sozialer Zeit und sozialem Raum  33
3.1.2.1  Die Bestimmung von Sozialräumlichkeit in der Soziologie  33
3.1.2.2  Konstitutionstheoretische Herleitung der Kategorien soziale Zeit und sozialer Raum
durch Oevermann  43
3.1.3  Der soziale Raum als Innen-Außen-Abgrenzung und seine Bedeutung für die Architektur  47
3.2  Das Handlungsproblem der Architektur  52
3.3  Zusammenfassung  69
4  Die historische Genese der Profession der Architektur  71
5  Gebäudetypologie  113


Teil 2
Fallrekonstruktionen –
Analyse von Protokollen architektonischen Handelns  121


1  Werkanalysen – Interpretation von Gebäuden  121
1.1  Allgemeine Vorbemerkung  121
1.2  Methodische Vorbemerkung  122
1.3  Eine Fabrikantenvilla – Architekt: Paul Reinhold  125
1.4  Der Hohenhof – Der Bauherr Karl Ernst Osthaus und der Architekt
Henry van de Velde  149
1.4.1  Vorbemerkung  149
1.4.2  Siedlungseinbettung  150
1.4.3  Analyse biographischer Daten des Bauherrn Karl Ernst Osthaus  153
1.4.4  Die Analyse der Baugestalt  163
1.4.4.1  Interpretation der äußerlich sichtbaren Gestalt  163
1.4.4.2  Zwischenresümee  181
1.4.4.3  Analyse der Innengliederung der Beletage  185
1.4.5  Resümee  191
1.5  Das Haus Tugendhat – Architekt: Mies van der Rohe   197
1.5.1  Analyse der äußerlichen Gestalt  197
1.5.2  Analyse der inneren Gliederung  204
1.6  Das Verwaltungsgebäude der I.G.-Farben – Architekt: Hans Poelzig  208
1.7  Das Museum für Angewandte Kunst – Architekt: Richard Meier   222
1.8  Resümee der Gebäudeanalysen  235
2  Analyse von Dokumenten des Praxisvollzuges
von Architekten – Briefe  239
2.1  Vorbemerkung  239
2.2  Interpretation eines Briefes von Frank Lloyd Wright an die Bauherrin Aline Barnsdall  241
2.3  Interpretation eines Briefes von Frank Lloyd Wright an den Bauherrn Darwin D. Martin  264
2.4  Resümee  276
3  Analyse von Äußerungen zum Selbstverständnis von Architekten  279
3.1  Vorbemerkung  279
3.2  Interpretation von Ausschnitten aus einem Forschungsinterview mit einer Architektin  279
3.2.1  Sequenzanalyse  279
3.2.2  Resümee  320
3.3  Interpretation der Argumentation für die Architekten­profession durch einen Architekten in einem Aufsatz mit dem Titel »Ist der Architekt überholt?«  325
3.3.1  Sequenzanalyse  325
3.3.2  Resümee  341
4  Der städtebauliche Realisierungswettbewerb Campus Westend  342
4.1  Vorbemerkung  342
4.2  Zur Praxis des Wettbewerbs  343
4.3  Interpretation des Auslobungstextes  346
4.3.1  Sequenzanalyse  346
4.3.2  Zwischenresümee  377
4.4  Bestimmung wesentlicher Bedingungen für die Ästhetik des Entwurfs  380
4.5  Betrachtung ausgewählter eingereichter Entwürfe  382
4.6  Resümee  404


Teil 3
Zusammenfassung, Generalisierung und Ausblick  409


1  Rekapitulation der Ergebnisse aus den empirischen Analysen  409
2  Das Handlungsproblem des Architekten  414
3  Zur Abgrenzung von Architektur und Stadtplanung  418
4  Zur Abgrenzung der Architektentätigkeit von der des Ingenieurs  420
5  Zur Abgrenzung der Architektentätigkeit von der des bildenden Künstlers  429
6  Zur Abgrenzung der Architektentätigkeit von der des Produktdesigners  433
7  Zusammenfassung und Ausblick  435

Literatur  439
Abbildungsnachweise  456
Danksagung  457