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Wenn das Denken feiert

Josef Quack
Wenn das Denken feiert
Philosophische Rezensionen

248 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-941743-29-8

Buch 24,80 Euro
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Wenn ich einen Gesichtspunkt angeben sollte, der für diese Notizen kennzeichnend ist, so würde ich den Grundsatz nennen, daß in philosophisch strittigen Fragen, die von existentieller Bedeutung sind, die Argumente des gesunden Menschenverstandes den Ausschlag geben sollten. Philosophie bedeutet ursprünglich, was heute manche ihrer Vertreter nicht mehr gerne hören, Liebe zur Weisheit. Was aber weise ist, können sie, wie Popper einmal bemerkte, gewiß nicht entscheiden.

Josef Quack, Dr. phil., Jahrgang 1944, schrieb Bücher über das »Sprachverständnis von Karl Kraus«, die »fragwürdige Identifikation« als Modus der Lektüre, die »Künstlerische Selbsterkenntnis« bei E.T.A. Hoffmann, über Wolfgang Koeppen als »Erzähler der Zeit«, über die »Grenzen des Menschlichen« bei G. Simenon u.a., über »Geschichtsroman und Geschichtskritik« bei A. Döblin. Zuletzt veröffentlichte er »Diskurs der Redlichkeit. Döblins Hamlet-Roman«. Alle Arbeiten beschäftigen sich mit dem Grenzgebiet von Literatur und Philosophie.


Vorbemerkung

Das Gleiche läßt uns in Ruhe;
aber der Widerspruch ist es,
der uns produktiv macht.
J.W. Goethe



Die folgenden Beiträge enthalten Beobachtungen eines philosophisch interessierten Zeitgenossen, der wissen möchte, was die namhaften Denker der Gegenwart im Schilde führen. Wenn man die philosophische Situation der Nachkriegsjahrzehnte, in der Heidegger, Jaspers und Adorno den Ton angaben, mit der gegenwärtigen Lage vergleicht, so kann man feststellen, daß sich die Dinge in sprachlicher Hinsicht unter dem Einfluß der analytischen Philosophie und des kritischen Rationalismus zum besseren gewandelt haben. Gewiß lebt die Tradition der Philosophen, die von ihrer Fachterminologie besessen sind und klare Worte für unphilosophisch halten, unbelehrt und unbeeindruckt fort, doch schreiben die bedeutenden Philosophen heute im allgemeinen klarer und verständlicher als ihre berühmten Vorgänger.

Davon, von dem Gebrauch und von dem Mißbrauch, den einige Philosophen von den rhetorischen Ausdrucksformen des Denkens machen, handelt der erste Aufsatz. Ich hätte ihm auch, auf eine Formulierung von Karl Kraus anspielend, den Titel »Nietzsche und die sprachlichen Folgen« geben können.

Im zweiten Aufsatz beschäftige ich mich mit einigen Motiven der philosophischen Religionskritik, vor allem mit dem merkwürdigen und befremdlichen Phänomen einer Angst vor der Religion; um dahinter zu kommen, was damit gemeint ist, vergleiche ich es mit der Angst vor der Metaphysik, einer bekannten, in der Gegenwartsphilosophie weit verbreiteten Einstellung.

Im dritten Aufsatz geht es explizit um die Grenzen einer säkularen Ethik, implizit aber auch um die bescheidene Wirkung, die die Philo­sophie in der Gesellschaft ausüben kann. Es mag durchaus möglich sein, daß die Philosophie erklären kann, was man unter Gerechtigkeit oder dem Ideal eines guten Lebens zu verstehen hat. Ich glaube aber nicht, daß sie zeigen kann, daß wir verpflichtet sind, diese schönen Dinge in die Praxis umzusetzen.

Der vierte Aufsatz ist ein wissenschaftshistorischer Rückblick auf einige Fragen der Ethnologie, mit denen sich viele Philosophen unserer Zeit aus sachimmanenten Gründen oder wegen der Bedeutung, die einige ethnologische Lehren in der größeren Öffentlichkeit erlangt hatten, auseinandersetzen mußten. Das Problem des Kulturrelativismus, das hier zur Sprache kommt, ist aktueller denn je. Ich hätte mich wohl kaum mit solchen Problemen näher abgegeben, wenn ich nicht viele lebhafte Diskussionen über diese Themen mit meinem Bruder Anton (1946–2009) gehabt hätte, der Ethnologe und Mitglied des Anthropos-Instituts war. Ihm sei dieser Aufsatzband gewidmet. Er hat mich zum Beispiel davon überzeugt, daß Claude Lévi-Strauss, der seinerzeit in Intellektuellenkreisen große Mode war, keineswegs für das Fach repräsentativ ist.

Diese Aufsätze und Rezensionen sind unveröffentlicht, nur die Besprechungen über das Wörterbuch philosophischer Begriffe und über W. Künnes Theorie abstrakter Gegenstände standen eine Zeitlang auf meiner Homepage. Ich habe die beiden Rezensionen für diese Veröffentlichung überarbeitet und wesentlich ergänzt. Das Wörterbuch philosophischer Begriffe stammt aus einem renommierten Verlag und wurde von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft übernommen. Es dürfte eines der am meisten verbreiteten philosophischen Handbücher unserer Zeit sein, und doch war es über ein Jahrzehnt im Umlauf, ohne daß jemand auf die Fehler und Lücken des Werkes aufmerksam gemacht hätte. Der Fall zeigte mir, daß mit dem derzeitigen Rezensionswesen etwas nicht stimmen kann, und dies in einer Situation, wo jeder Philosoph kritisch sein will und die skeptische Einstellung als selbstverständlich gilt.

Wenn ich einen Gesichtspunkt angeben sollte, der für diese Notizen kennzeichnend ist, so würde ich den Grundsatz nennen, daß in philosophisch strittigen Fragen, die von existentieller Bedeutung sind, die Argumente des gesunden Menschenverstandes den Ausschlag geben sollten. Philosophie bedeutet ursprünglich, was heute manche ihrer Vertreter nicht mehr gerne hören, Liebe zur Weisheit. Was aber weise ist, können sie, wie Popper einmal bemerkte, gewiß nicht entscheiden.


Inhalt

Vorbemerkung  7


I. Aufsätze


Wenn das Denken feiert. Über philosophische Bilder und Vergleiche  11
I. Tod als philosophische Metapher  13
II. Zum Pathos Nietzsches  20
III. Zur Sprache Heideggers  29
IV. Bilder vom Ende der Philosophie  40
V. Figuren des Understatements  43
VI. Angemessene Vergleiche  46
VII. Schlußbemerkung  48

Angst vor der Religion? Motive der Religionskritik  50
I. Die Wartenden  54
II. Exkurs über Religion und Musik  61
III. Das nationalistische Sinnversprechen  64
IV. Zur marxistischen Religionskritik  66
V. Die Position Horkheimers  69
VI. Angst vor der Religion?  76
VII. Fazit  84

Grenzen einer säkularen Ethik  86
I. Zu Ethik Schopenhauers  90
II. Der atheistische Einwand  94
III. Zum ethischen Konzept Tugendhats  99
IV. Zur Diskurstheorie der Ethik (Habermas)  105
V. Fazit  116

Ethnologische Fragen in philosophischer Sicht  119
I.  Fragen der Methode  122
    Philosophische Anthropologie vs. soziale Anthropologie  122
    Objektive Wahrheit vs. relative Wahrheit  125
    Symbolverstehen vs. einfühlendes Verstehen  131
    Sprachspiele, ethnologisch und philosophisch  135
    Ethnologie als Leitwissenschaft?  141
II. Umstrittene Lehren  146
    Prälogisches Denken  146
    Zeiterfahrung  153
    Begriff der Person 154
    Sprachliche Relativität 159
III. Resümee 162


II. Rezensionen


Marginalien zum Wörterbuch der philosophischen Begriffe  167

Ein Plädoyer für den Platonismus (W. Künne)  179

Eine kurze Geschichte des Vernunftbegriffs (H. Schnädelbach)  188
   Unterscheidungen  190
   Folgerungen  193

Zur Diskussion über das Leib-Seele-Problem (A. Beckermann)  200
   Überblick  201
   Zur Darstellung  206
   Was fehlt  210
   Zum Begriff der Substanz  220

Interkulturelle Philosophie: Dialog oder Polylog?  232

Namenregister  244