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Gesellschaft im Umbruch II

Gerhard Preyer
Gesellschaft im Umbruch II
Jenseits von National- und Wohlfahrtsstaat
175 Seiten
ISBN 978-3-934157-97-2
E-Book (PDF) 9,80 Euro

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Vorwort

Im 19. Jahrhundert war eine Theorie der modernen Gesellschaft nicht möglich gewesen. Es hat mit seinen Selbstbeschreibungen unglücklicherweise eine Wirkungsgeschichte nach sich gezogen, die ein Verständnis des modernen Gesellschaftssystems erschwert hat, da nur Teilperspektiven thematisiert wurden. Dabei wurde ein pars pro toto begangen: Ein Teil wurde für das Ganze gesetzt. Vor allem für die Analyse des politischen Systems wirkte sich das dahingehend aus, dass die Überzeugung gehegt wurde, das Gesellschaftssystem sei zu steuern. Das betrifft das politische Steuerungssystem des nationalstaatlichen Wohlfahrtsstaats, der bereits seine Steuerungsleistung verloren hat.

Die hier versammelten Artikel stehen in dem soziologischen Kontext der Neufassung der Theorie sozialer Integration in der gegenwärtigen Soziologie. Diesbezüglich hat in der soziologischen Theorie am weitgehensten umgedacht zu werden. Das mag keine ganz neue Einsicht sein, und einige Kollegen haben bereits die Anfänge gemacht. Es geht dabei um das grundlegende Problem, ob und wie »Globale Dynamik, lokale Lebenswelt« aufeinander abzustimmen sind. Vermutlich wird man das keinem Funktionsystem mehr zumuten können, sondern es sind vermittelnde Institutionen zwischen ihnen einzurichten. Von ihnen wird man nicht erwarten, dass sie die gesellschaftliche Kommunikation steuern könnten.

Soziale Integration jenseits von National- und Wohlfahrtsstaat rückt zunehmend in das Zentrum der soziologischen Forschung. Sie hat nicht nur einen einzigen Fokus, sondern viele. Als Bezugsproblem erkennen wir die Selbstregulierung sozialer Systeme ohne Steuerung. Unter der Voraussetzung von funktionaler Differenzierung kommt keinem Teilsystem ein Funktionsprimat zu. Funktionale Differen­zierung hat keinen zentralen Beobachter. Sie verfügt über kein gesamtgesellschaftliches Zentrum und besteht nur noch aus Periphe­rien. Globalisierung hat eine Umstrukturierung der Funktionssysteme eingeleitet. Dabei kommt es darauf an, wie wir Globalisierung in der soziologischen Theorie beschreiben. Von diesem Zugang hängt auch das Verständnis der Reorganisation der Funktionssysteme jenseits von National- und Wohlfahrtsstaat ab. Erkennen lässt sich, dass von einer rückwärts­gewandten Betrachtung keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind.

Gerhard Preyer, Frankfurt am Main 2009


Inhalt

Vorwort 7

I Globalisierung, funktionale Differenzierung, Multiethnizität

1. Globalization and the Evolution of Membership  11
2. Luhmanns Theorie der funktionalen Differenzierung. Das Ende der Inklusionslogik  28
3. Globalisierung und Multiethnizität: Jan Nederveen Pieterses Beitrag zur Analyse struktureller Evolution  48

II Jenseits des Wohlfahrtsstaats

4. Brauchen wir ein neues Gesellschaftsmodell?  77
5. Soziale Integration ohne Wohlfahrtsstaat  84
6. Selbstregulierung ohne Steuerung  94

III Europa im Fokus

7. Kulturelle Globalisierung und die europäische Kultur und Identität  109
8. Die Fragen richtig stellen! Zum Demokratiedefizit der Europäischen Union
(gem. mit Jakob Schissler)  121

IV Die Unzulänglichkeit der Kommunikation

9. Kritik der totalen Kommunikation  133
10. Zur Neufassung des Problems der moralischen Kommunikation  146

Literatur  170


Der Autor

Prof. Dr. phil. habil. Gerhard Preyer lehrt Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er ist Herausgeber der Protosociology. An International Journal of Interdisciplinary Research and Project, Goethe-Universität Frankfurt am Main.

http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/gpreyer
http://www.protosociology.de


Ebenfalls von Gerhard Preyer (gemeinsam mit Jakob Schissler)
Gesellschaft im Umbruch I
Politische Soziologie im Zeitalter der Globalisierung
127 Seiten
Frankfurt am Main 2002
E-Book (PDF) 9,80 Euro