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Emigration als Herausforderung

Sandra Kirsch
Emigration als Herausforderung
Eine Studie zu Einbindungs- und Ablösungsprozessen von aus dem nationalsozialistischen Deutschland emigrierten Kindern und Jugendlichen
310 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-941743-07-6
Buch 29,80 Euro
E-Book 19,80 Euro

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19,80 € inkl. MwSt.

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Eine Studie zu Einbindungs- und Ablösungsprozessen von aus dem nationalsozialistischen Deutschland emigrierten Kindern und Jugendlichen 310 Seiten, broschiert ISBN 978-3-941743-07-6 Buchausgabe 29,80 Euro E-Book 15, Euro Die rekonstruktive Studie »Emigration als Herausforderung« versteht sich als Beitrag zur historischen Biographie- und Sozialisationsforschung. Historisch thematisch ist die Rekonstruktion von Entwicklungsmöglichkeiten und -verläufen von Menschen, die Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus im Kindesalter verlassen mussten. In heuristischer Absicht wird einerseits angeknüpft an das soziologisch-strukturtheoretische Modell Ulrich Oevermanns von Sozialisation als Prozess der Krisenbewältigung, andererseits an Robert Kegans entwicklungspsychologisches Konzept der Entwicklung des Selbst in einbindenden Kulturen. Dabei wird vor allem der Frage nachgegangen, welche Zusammenhänge herstellbar sind zwischen entwicklungsmäßig vorprogrammierten Krisen der Bindung und Ablösung im Sozialisationsprozess und dem Ereignis Emigration als fallübergreifend vorliegender Besonderheit im Sinne eines potentiell traumatischen Krisenereignisses. Das zentrale Interesse besteht in der objektiv-hermeneutischen Rekonstruktion unterschiedlicher biographisch wirksamer Habitus der Krisenbewältigung. Hier zeigen sich erstens von Fall zu Fall verschiedene Perspektiven auf die Erfahrung der Emigration, zweitens jeweils spezifische Haltungen im Umgang mit Entscheidungskrisen der Lebensgestaltung. Die Ergebnisse verweisen zum einen auf den großen Einfluss familialer Sozialisation auf die Entwicklung, zeigen zum anderen aber auch die Bedeutsamkeit kultureller Einbindungsmöglichkeiten über die Lebensspanne auf.

Die rekonstruktive Studie »Emigration als Herausforderung« versteht sich als Beitrag zur historischen Biographie- und Sozialisationsforschung. Historisch thematisch ist die Rekonstruktion von Entwicklungsmöglichkeiten und -verläufen von Menschen, die Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus im Kindesalter verlassen mussten. In heuristischer Absicht wird einerseits angeknüpft an das soziologisch-strukturtheoretische Modell Ulrich Oevermanns von Sozialisation als Prozess der Krisenbewältigung, andererseits an Robert Kegans entwicklungspsychologisches Konzept der Entwicklung des Selbst in einbindenden Kulturen.

Dabei wird vor allem der Frage nachgegangen, welche Zusammenhänge herstellbar sind zwischen entwicklungsmäßig ›vorprogrammierten‹ Krisen der Bindung und Ablösung im Sozialisationsprozess und dem Ereignis ›Emigration‹ als fallübergreifend vorliegender Besonderheit im Sinne eines potentiell traumatischen Krisenereignisses. Das zentrale Interesse besteht in der objektiv-hermeneutischen Rekonstruktion unterschiedlicher biographisch wirksamer Habitus der Krisenbewältigung. Hier zeigen sich erstens von Fall zu Fall verschiedene Perspektiven auf die Erfahrung der Emigration, zweitens jeweils spezifische Haltungen im Umgang mit Entscheidungskrisen der Lebensgestaltung. Die Ergebnisse verweisen zum einen auf den großen Einfluss familialer Sozialisation auf die Entwicklung, zeigen zum anderen aber auch die Bedeutsamkeit kultureller Einbindungsmöglichkeiten über die Lebensspanne auf.

Dr. Sandra Kirsch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Erziehungswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit den Arbeitsschwerpunkten Biographieforschung, (historische) Migrations- und Sozialisationsforschung und Methoden rekonstruktiver Sozialforschung.



Inhalt

I. Einleitung  11
1. Forschungskontext und Materialgrundlage  15
2. Konkretisierung der Fragestellung  16

II. Theoretische Bezüge. Emigration als Herausforderung für Prozesse der Einbindung und Ablösung  19
1. Das Erleben von Emigration in Kindheit und Jugend als Gegenstand der Forschung – eine Literatur- und Perspektivenskizze  19
2. Sozialisationstheoretische und entwicklungspsychologische Zugänge – Zur Begründung einer struktur- und subjektorien­tierten Forschungsperspektive in der Sozialisationsforschung sowie der Notwendigkeit ihrer Interdisziplinarität  30
 2.1 Sozialisation als Prozess der Krisenbewältigung und der Entstehung des Neuen (Ulrich Oevermann)  35
2.1.1 Krise und Erfahrungskonstitution  36
2.1.2 Lebenspraxis und Bewährung  39
2.1.3 Sozialisation als Prozess der Krisenbewältigung  41
2.1.4 Die vier Ablösungskrisen im Sozialisationsprozess  44
3. Robert Kegan: Die Entwicklung des Selbst in ›einbindenden Kulturen‹  56

III. Der Forschungsansatz. Zugang zu Biographien und Bildungsprozessen über rekonstruktive Sozialforschung  63
1. Zur Begründung des gewählten Forschungsansatzes  63
1.1 Biographieforschung als Weg erziehungswissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung  66
1.2 Zum Zusammenhang von Biographie, Bildung, Gesundheit – der strukturalistische Bildungsbegriff als Konzept ganzheitlicher/umfassender Bildung  67
1.2.1 Der Bildungsbegriff in der strukturalen Bildungstheorie Marotzkis  67
1.2.2 Der strukturalistische Bildungsbegriff bei Oevermann  70
1.2.3 Zusammenhänge zwischen ›seelischer Gesundheit‹ und ›Bildung‹  71
2. Die objektive Hermeneutik als rekonstruktiv verfahrende Methode der Biographieforschung  74

IV. Die Fallrekonstruktionen – Materialauswahl und praktisches Vorgehen  81
1. Zur Fallauswahl  81
2. Durchführung und Darstellung der Fallrekonstruktionen  82
3. Lebenslänglich Emigrantin – Selbststilisierung als Habitus der Krisenbewältigung. Der Fall Esther Brückner: Eine exemplarische Sequenzanalyse  83
3.1 Analyse und Interpretation der objektiven Daten  83
3.2 Analyse und Interpretation der Eingangssequenzen des Interviews  93
3.3 Fallstrukturhypothese  115
3.4 Interpretation der Prüfsequenzen  118
3.5 Zusammenfassung zur Erweiterung der Fallstrukturhypothese  138
3.6 »Äh, ja, was gibt's noch?« – Interpretation weiterer identitätstheoretisch relevanter Sequenzen  139
3.6.1 Staatsbürgerschaft/Gemeinwohlorientierung und politisches Engagement  139
3.6.2 Die Beziehung zur Mutter  157
3.6.3 Die Paarbeziehung  164
3.6.4 ›Selbstverwirklichung‹ über Leistung im Beruf  170
3.7 Zusammenfassung und Strukturgeneralisierung  173
4. Die Geschwister Levi  177
4.1 Georg Levi - Amor fati oder: das Glückskind  177
4.1.1 Objektive Daten und Kurzbiographie  177
4.1.2 Interpretation des Interviews mit Georg Levi  188
4.1.3 Fallstrukturhypothese  207
4.1.4 Interpretation der Prüfsequenzen – Die Jahre bis zur Emigration  209
4.1.5 Analyse weiterer identitätstheoretisch relevanter Sequenzen  250
4.1.6 Fallstrukturgeneralisierung  258
4.2 Gisela Johann – Die ›zweite Geige‹ oder: die Kunst der Vermittlung  262
4.2.1 Gestaltungsmerkmale der autobiographischen Erinnerungen Gisela Johanns und Strukturmerkmale von Identitätskonstruktion und Selbstpräsentation  263
4.2.2 Objektive Daten  268
4.2.3 Biographisches Portrait  269

V. Zusammenfassende Fallkontrastierung – Zur Bedeutung von Emigration für Formen der Gestaltung von Einbindungs- und Ablösungsprozessen und für die Entwicklung eines Habitus der Krisenbewältigung  285
1. Zusammenfassender Überblick über die biographischen und sozialisatorischen Ausgangsbedingungen  285
2. Zur Typisierung der Fälle  290
2.1 Typus I: Lebenslänglich Emigrantin  290
2.2 Typus II: ›Amor fati‹ oder: das Glückskind  292
2.3 Typus III: Die engagierte Vermittlerin  293

VI. Schlussbemerkungen  295

Literatur   297


Die Anhänge des Buches beinhalten die Transkriptionen der Interviews mit Esther Brückner und Georg Levi und die Anmerkungen zum Manuskript Gisela Johanns sowie das Manuskript selbst. Sie können kostenlos heruntergeladen werden.

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